Inbetriebnahme einer Wärmepumpe: Schritte, Druckprüfung & Inbetriebnahme (2025)

Inbetriebnahme einer Wärmepumpe: Schritte, Kältemittel, Druckprüfung, Inbetriebnahme

TL;DR : Die Inbetriebnahme einer WP muss von einem zertifizierten Kältetechniker durchgeführt werden: mechanische/elektrische Kontrollen, Stickstoff-Druckprüfung, Tiefevakuierung (~500 Mikron) und Regelungseinstellungen. Das Kältemittel (R32 A2L, R290 A3…) erfordert Sicherheitsvorkehrungen (EN 378, F-Gas 2024/573). Ein Abnahmedokument dokumentiert alle Werte.

Innenansicht einer Außeneinheit Ecodan: Kompressor, Kupferleitungen und Magnetventile vor Inbetriebnahme
Aufmacherbild — Interne Ansicht einer Luft/Wasser-Wärmepumpe vor den Tests. CC-BY-SA 4.0 (PeterEastern).

1. Inbetriebnahme: Ziele & Beteiligte

Die Inbetriebnahme (MES) ist die Abfolge von Prüfungen, Einstellungen und Kontrollen, die eine Wärmepumpe (Luft-Luft, Luft-Wasser, Wasser-Wasser) validiert. Sie sichert das einwandfreie Funktionieren, die Herstellergarantie und die Betriebssicherheit. Sie umfasst: Sichtprüfung, elektrische/hydraulische Kontrollen, Dichtheit des Kreislaufs, Vakuumziehen, Öffnen der Ventile, Parametrierung, Heiz-/Warmwasserprüfungen und die Übergabe eines unterzeichneten Berichts.

  • Kältetechniker mit Befähigungsnachweis (Umgang mit Kältemitteln).
  • Elektriker/Heizungsbauer für Verkabelung, Hydraulik, Einstellungen.
  • Kunde: Abnahme, Erläuterungen, Wartungsheft.

2. Sicherheit & Vorschriften 2025 (F-Gas, EN 378)

  • F-Gas 2024/573: HFKW-Quoten, Rückverfolgbarkeit, verpflichtende Qualifikationen, Förderung von niedrigem GWP (R290/R744…).
  • EN 378 (NF EN 378): Füllmengenbegrenzungen nach Sicherheitsklasse (A1/A2L/A3), Anforderungen an Belüftung, Detektion, ATEX-Zonen falls erforderlich.
  • Elektrizität: dedizierte Stromkreise, FI-Schutzschalter 30 mA angepasst (Typ F empfohlen/erforderlich für einphasige Frequenzumrichter laut Leitfäden), Normkonformität NF C 15-100.

3. Unverzichtbare Werkzeuge & Messgeräte

  • Trockene Stickstoffflasche (OFN) + Zweistufiger Druckminderer.
  • Leistungsstarke Vakuumpumpe + unabhängiges Vakuummeter.
  • Manometergruppe (ideal digital), spezielle Schläuche, elektronische Waage.
  • Lecksuchgerät (elektronisch) + Schaummittel, Thermometer/Sensoren.
  • Kupferwerkzeug (Aufweiten, Löten unter Stickstoff), PSA.
Stickstoffflasche mit Druckminderer: Druckaufbau in einem Kältekreislauf vor dem Vakuumziehen
Druckaufbau mit Stickstoff — CC-BY-SA 3.0 (Seaborg).
Geöffneter Pirani-Sensor: Kontrolle des Tiefvakuums bei der Inbetriebnahme einer Wärmepumpe
Vakuumkontrolle (Mikron) — CC-BY-SA 4.0 (ErwinMeier).

4.

Detaillierte Schritte: vom Vorinbetriebnehmen bis zur Inbetriebnahme

4.1 Vorinbetriebnahme

  • Visuell: Befestigungen, Abläufe, Freiräume, Vibrationsschutz, Sauberkeit.
  • Kältetechnik: Löten unter Stickstoffspülung, Biegeradius, durchgehende Isolierung, geschlossene Ventile.
  • Hydraulik (Luft-Wasser): Spülung, Y-Filter, Entlüftung, Ausdehnungsgefäß, Kaltwasserdruck, Wasserqualität.
  • Elektrisch: Erdung, Polarität, Anziehen, Nennstrom & Charakteristik MCB, FI-Schutzschalter 30 mA, geeigneter Typ, Blitzschutz falls erforderlich.
  • Dokumente: Bedienungsanleitungen, Schaltpläne, Sicherheitsdatenblätter der Fluide, Gefährdungsbeurteilung (R290).

4.2 Druckaufbau mit Stickstoff

  1. Druck gemäß Anleitung über Zweistufen-Druckminderer aufbauen.
  2. Halten und Leckageerkennung (Schaum + Detektor).
  3. Bei Bedarf Reparatur, dann erneuter Drucktest.
  4. Stickstoff vor dem Vakuumziehen ablassen.

4.3 Tiefevakuierung & Steigtest

  • Passend dimensionierte Vakuumpumpe, neues Öl, kurze/dichte Schläuche.
  • Messung mit Vakuummeter am System (nicht an der Pumpe).
  • Typisches Ziel: ≈ 500 Mikron, dann Steigtest: Stabilität < 1000 Mikron = OK.
  • Steigung zu schnell? Dreifache Evakuierung mit Stickstoffunterbrechung wiederholen.

4.4 Befüllung & Ventilöffnung

  • Monoblock: Werksbefüllung, nur hydraulisch.
  • Split/VRF: Befüllung nach Gewicht (Ergänzung je nach Leitungslänge), Ventilöffnung nach Herstellersequenz.
  • R290: Bereich ohne Zündquelle, Belüftung, geeignetes Werkzeug.

4.5 Inbetriebnahme & Tests

  1. Regelung einstellen (Wasserkennlinie, Warmwasser-Sollwerte, Zeitprogramme).
  2. Durchflüsse (Luft/Wasser) und ΔT prüfen.
  3. Zyklen testen (Heizung/Warmwasser, Abtauung).
  4. Stromstärken/Spannungen kontrollieren und keine FI-Auslösungen.
  5. Temperatur, Druck, SH/SC (falls anwendbar) ablesen und mit Anleitungswerten vergleichen.
Außeneinheit Ecodan im Schnee: Kontrolle der Abtauung und Kondensatableitung nach Inbetriebnahme
Tests unter kalten Bedingungen — CC-BY-SA 4.0 (PeterEastern).

5. Kältemittel: Klassen, GWP & Trends

Flüssigkeit Klasse (ISO 817) GWP ~ Anwendung Inbetriebnahmepunkte
R410A A1 ≈2088 Alte Wärmepumpen Übergang im Gange, Standard-Inbetriebnahme.
R32 A2L ≈675 Neue Split/Wärmepumpen Ladegrenzen, Belüftung, A2L-Verfahren.
R454B A2L ≈466 R410A-Ersatz Ähnliche Vorgaben wie R32.
R290 A3 ≈3 Monoblock-Wärmepumpen Hohe Entzündlichkeit: sichere Zone und spezielles Werkzeug.

6. Wichtige Einstellungen: Wasserkennlinie, Durchflüsse, SH/SC, Abtauung

Wasserkennlinie & Sollwerte

  • Die Kennlinie an Gebäude und Heizkörper anpassen (Fußboden 30–40 °C; Niedertemperaturheizkörper 40–50 °C).
  • Kompensation der Außentemperatur aktivieren (Außensensor) und Warmwasserbereiche optimieren.

Durchflüsse & ΔT

Hersteller-Durchflüsse einhalten; ΔT von 5–10 K im Heizbetrieb anstreben (je nach Schema variabel).

SH/SC (falls anwendbar)

  • Überhitzung (SH) zum Schutz des Kompressors.
  • Unterkühlung (SC) zur Überwachung der Befüllung/Wärmeübertragung.

Abtauung

Auslösung, Dauer und Kondensatableitung prüfen; Eisbildung am Fuß der Einheit vermeiden.

Innenansicht einer Außeneinheit einer Split-Klimaanlage: Ventilator, Kondensator, Kompressor
Prinzipielle Erinnerungen — CC-BY-SA 4.0 (Amila Ruwan 20).

7.

Inbetriebnahme- & Qualitätsakte

  • Identifikation : Standort, Modelle/Nummern, Fluid, Füllmenge, Längen.
  • Vorprüfungen : visuell, hydraulisch, elektrisch (FI-Schalter), Belüftung (A2L/A3).
  • Stickstoff : Druck, Dauer, Detektionsergebnisse.
  • Vakuum : Endwert (z.B. ~500 Mikron), Anstieg (Mikron nach X Min.).
  • Füllung : zugefügte Masse, kalibrierte Waage, Enddichtigkeit.
  • Tests : T°, P, SH/SC, ΔT, Ströme, Abtauen.
  • Einstellungen : Wassergesetz, Zeitpläne, Schutzmaßnahmen.
  • Benutzerinformation : Modi, Öko-Verhalten, Wartung.

8. Startstörungen: schnelle Diagnose

Symptom Ursache Maßnahme
FI-Schalter löst aus Frequenzumrichterprofil, ungeeigneter FI-Schalter Verkabelung/Selektivität prüfen; Typ F 30 mA bevorzugen, wenn vorgeschrieben.
Kein stabiles Vakuum Leckage/Feuchtigkeit Lecksuche + dreifache Evakuierung mit Stickstoffunterbrechung.
Zu häufiges Abtauen Luftstrom, Sensoren Filter reinigen, Gerät freimachen, Sensoren/Parameter prüfen.
Lärm/Vibrationen Befestigungen/Gummipuffer Nachziehen, entkoppeln, Luftstrom ausrichten, Silentblöcke einsetzen.
Warmwasser lauwarm Parameter/Prioritäten Vorgaben/Zeitpläne anpassen, Dreiwegeventil & Durchfluss prüfen.

Auch lesen: Installation Luft-Wasser-Wärmepumpe: Leitfaden 2025 und Schema & Verkabelung Luft-Luft-Wärmepumpe.

FAQ — Inbetriebnahme einer Wärmepumpe

Wer kann die Inbetriebnahme durchführen?

Ein zertifizierter Fachmann (Nachweis der Kältemittelkompetenz). Druck-/Vakuum-/Ladevorgänge sind strikt Profis vorbehalten.

Warum ~500 Mikron anstreben?

Um Feuchtigkeit und nicht kondensierbare Gase effektiv zu entfernen; eine Stabilität < 1000 Mikron nach Pumpenstopp ist ein guter Indikator.

Unterschiede R32 vs R290 während der Inbetriebnahme?

R32 (A2L): kontrollierte Ladung/Belüftung; R290 (A3): hohe Entzündlichkeit → Zündfreie Zone, Belüftung, geeignetes Werkzeug.

Soll unter Stickstoff gelötet werden?

Ja. Die Stickstoffspülung vermeidet Rußbildung, schützt das Öl und die Expansionsventile/EEV.

Welche Dokumente sind zu übergeben?

Inbetriebnahmebericht (Druck-/Zeitwerte, Mikron, Massen), Nachweis der Kompetenz, Sicherheitsdatenblätter der Kältemittel, Wartungsheft und Benutzeranweisungen.

Zuverlässige Quellen

Letzte Aktualisierung: 07.09.2025 — Verfasst von einem SEO- & HLK-Berater. Hinweis: Informationsleitfaden; überlassen Sie die Inbetriebnahme qualifizierten Fachleuten, gemäß den geltenden Anleitungen und Normen.



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